1. Oktober 2010

Hassge(t)witter

Es steht mir nicht zu, mich über das Projekt eines neuen Stuttgarter Bahnhofs zu äussern, den ich vielleicht nie benutzen und schon gar nicht mitbezahlen werde. Und ich will auch nicht ausloten, ob Bürger das Recht haben, die Realisierung eines rechtskräftig bewilligten Projekts mit passiver Gewalt zu verhindern, beziehungsweise ob dieses vom Staat nötigenfalls mit Polizeigewalt verwirklicht werden darf, soll oder muss.

Äussern will ich mich dagegen kurz zu den Wellen, die der Konflikt gestern auf Twitter warf. Unreflektiert wurde beispielsweise die Behauptung retweetet, es habe tausend Verletzte gegeben, und die Spitäler seien überfüllt. Heute sprach selbst das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 laut dpa von einigen Platzwunden und Nasenbrüchen. Geradezu unerträglich war für mich der abgrundtiefe Hass in vielen Tweets. Einer der Twitterer verstieg sich sogar zur Aussage, Polizisten seien keine Menschen. Mir ist klar, dass in solchen Situationen der Multiplikations-Effekt von Twitter spielt und primär einmal nur sprachliche Sätze virtuell vervielfältigt werden. Es sollte indes nicht einfach ausgeblendet werden, dass auf diese Weise auch durchaus reale Gefühle des Hasses gegen den Staat und seine demokratisch gewählten Organe gezielt geschürt werden. Hassprediger gibt es keineswegs nur in Moscheen!

Kommentare:

  1. Danke für diesen sachlichen und sehr notwendigen Beitrag!

    AntwortenLöschen
  2. Wenn du auch die vielen unsäglichen Tweets der S21-Befürworter thematisiert hättest, dann würde ich sagen: "Super, ausgewogen und sachlich analysiert" - so kann ich nur sagen "richtig analysiert dass auf Twitter (und in 140 Zeichen) Meinungen, Emotionen und Stimmungen hochkochen".

    Das ist auch schon was, aber eben nicht so viel wie es hätte sein können.

    AntwortenLöschen
  3. Im Prinzip haben Sie schon recht und in Sachen Twitter bin ich ganz bei Ihnen, aber meinen Sie wirklich, dass Sie nichts für den neuen Bahnhof (ich bin kein S21-Gegner) bezahlen? Der Bund, das sind auch wir beide.

    AntwortenLöschen
  4. @Marco:
    Als Schweizer bezahle ich höchstens gelegentlich über die deutsche Mehrwertsteuer indirekt für den fraglichen Bahnhof! ;-)

    AntwortenLöschen